ChinesischesOktoberfest

Gerade ist in München das Oktoberfest zu Ende gegangen. Nicht so in Qingdao. Dort scheint immer „Wiesn“ zu sein, auch wenn das eigentliche Qingdaoer Bierfest, das dem Oktoberfest nachempfunden ist, jährlich im August stattfindet.

Schon lange wollte ich 青岛Qīngdǎo, die sog. Grüne Insel, die ehemals deutsche Kolonie Tsingtao am Gelben Meer, besuchen. Die im letzten Jahr neu eingerichtete Flugverbindung der Lufthansa Frankfurt-Qingdao-Frankfurt ließ meinen Traum Wirklichkeit werden. Natürlich bietet Qingdao weit mehr als nur Bier, aber dafür ist es eben weltweit berühmt.

Dass die Chinesen gern Bier trinken habe ich in China immer wieder festgestellt. Lokale Biere werden in den Restaurants angeboten. Das berühmte Tsingtao-Bier青岛啤酒Qīngdǎo píjiǔ ist immer dabei. Sogar hier in Deutschland bekommt man es in China-Restaurants und in größeren Getränkemärkten.

Wir starteten zu Fuß in Richtung Tsingtao-Brauerei und in das daran anschließende Viertel mit zahlreichen Bierkneipen. Den Namen der Hauptstraße hatte ich mir vorsichtshalber aufgeschrieben, um am Abend einem Taxifahrer das genaue Ziel nennen zu können. Doch das hatte ich mir zu einfach vorgestellt. Der Taxifahrer kannte diese Straße nicht und nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass „Bierstraße“  啤酒街 pjljiě das Zauberwort war. In dieser Straße, direkt vor der Tsingtao-Brauerei, geht es fast so zu wie auf dem Oktoberfest: Viele, viele Menschen, man sitzt vor Bierkneipen im Freien, kann verschiedene Biersorten probieren, vor allem frisches Fassbier.

Das Bier wird in einem Glaskrug serviert, der ein bis zwei Liter fasst. Da fällt die Entscheidung nicht ganz leicht: 黄啤酒huáng píjiǔ gelbes Bier, 绿啤酒 lǜ píjiǔ grünes Bier oder gar 黑啤酒 hēi píjiǔ schwarzes Bier. „Gelbes Bier“ schien uns am vertrautesten und damit behielten wir Recht.  „Grünes Bier“ und „schwarzes Bier“ sind wohl eingefärbt. Diese und weitere Sorten werde ich probieren, wenn ich das nächste Mal in Qingdao bin. Schweinshaxe und Knödel gibt`s in Qingdao nicht zum Bier, sondern Fisch und Meeresfrüchte, die man sich in den Aquarien der Bierkneipen aussucht und dann frisch zubereitet werden.

Kaum standen Bier und Essen auf dem Tisch, prosteten uns die Chinesen fleißig zu. In Qingdao sitzen schließlich nicht alle Tage 外国人 wàiguórén Ausländer am Nebentisch. Klar, dass die wàiguórén auch aufs Foto müssen und schnell zückten sie die Handys. Musikgruppen zogen von Tisch zu Tisch und wurden unter großem Jubel von Chinesen angeheuert. Schnell noch die musikalischen Favoriten vereinbart und die Yuan bezahlt und schon ging’s los … Oans, zwoa, gsuffa? So vertraut und doch ganz anders, die Sache mit dem Bier in großen Krügen im fernen Qingdao, 8000 km Luftlinie von München entfernt.

Sunzi Die Kunst des Krieges

Durchs Univiertel in Schwabing zu streifen, besonders durch die Buchhandlungen, inspiriert mich sehr. Ein wahrer Schatz lag kürzlich auf meinem Weg: Den chinesischen Autor Sunzi und seinen Text „Die Kunst des Krieges“ kannte ich schon, aber nicht die Ausgabe, die ich auf einem Tisch vor der Buchhandlung Avicenna in Schwabing entdeckt habe. Auch nicht den Nikol-Verlag und die Übersetzerin Dr. Hannelore Eisenhofer. Solche kleinen Ereignisse, wie ich sie immer wieder durch meine Spürnase und Neugier erlebe, lösen in mir richtige Hoch-Gefühle aus.

Wer war Sunzi? Sunzi war ein chinesischer General, Militärstratege und Philosoph. Er lebte um 544 v. Chr. bis um 496 v. Chr. Sunzi war an einer Reihe von Feldzügen beteiligt. So wird von einer Schlacht im Reich Chu berichtet, in der seine 30 000 Soldaten gegen eine zehnfache Übermacht siegten.

Sein Buch „Die Kunst des Krieges“ (auf Chinesisch 孫子兵法 Sūnzǐ bīngfǎ, wörtlich: Sun Zi über die Kriegskunst) gilt als frühestes Buch über Strategie und ist bis heute eines der bedeutendsten Werke zu diesem Thema.

Ein Kollege von mir, der sehr belesen ist und gern querdenkt, hatte mich vor einiger Zeit auf diesen Text erneut aufmerksam gemacht. Ich kannte Sunzi zwar, aber er befand sich nicht im Zentrum meiner Gedanken. Aber ab diesem Moment war er zumindest in meinem Hinterkopf. Und wir beide lasen also den deutschen Text „Meister Suns Kriegskanon“, wie der Titel in der Ausgabe von Reclam lautet. Mein Kollege bezog aus diesem Text wertvolle Ideen für seine Strategien im Gespräch mit der Geschäftsleitung in unserem Unternehmen.

Der über 2000 Jahre alte Text stellt eine Sammlung von Anweisungen für eine erfolgreiche Kriegsführung dar, die im günstigsten Fall ohne eigene und gegnerische Verluste zum Sieg führt – so zu lesen auf dem Umschlag der Reclam-Ausgabe.

Was interessiert nun mich an diesem Text? Habe ich mich jemals für Militärisches begeistern können? Ausgerechnet Krieg! Nein, der Text ist hochaktuell, was Strategie, Personalführung und Menschenkenntnis angeht. Wer beim strategischen Angriff fünf Faktoren beherzigt, die Sunzi kurz erläutert, ist des Sieges gewiss. „Ein fähiger General wird siegen, wenn ihm der Fürst nicht im Wege steht und sich einmischt.“

Warum hat mich gerade diese neu entdeckte Ausgabe angezogen? Sie ist nicht überfrachtet von Anmerkungen und in ein ebenso klares Deutsch übersetzt, wie es das Original in Klassischem Chinesisch ist. Haben Sie diesen Schatz auch schon entdeckt?

Daniela Heggmaier

Schön, Sie hier zu treffen! Das Land China und seine Sprache faszinieren mich seit langem. Sie auch? In diesem Blog möchte ich Ihnen deshalb regelmäßig interessante Geschichten, Anekdoten und nützliches Wissen

  • über Kultur, Land und Leute,
  • über die Sprache und alles was mit Chinesisch lernen zu tun hat,
  • über Publikationen rund um China sowie
  • über China-Reisen

vermitteln. Ich lade Sie herzlich ein, mir zu folgen (per Email oder RSS), mit mir zu schmunzeln, zu lernen und sich inspirieren zu lassen! Ich freue mich auf einen regen Gedankenaustausch mit Ihnen! Tragen Sie doch gleich Ihre Email-Adresse ein!

Ihre Susanne Brudermüller

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.